Noch hat die weltweite Corona Pandemie uns fest im Griff. Wir stecken mitten im 2. Lockdown, mindestens bis Ende Januar, vielleicht noch länger. Die meisten von uns arbeiten im Home Office. Für die Einen ist es ein Segen, sie sparen Fahrtzeit und können sich Ihre Zeit freier einteilen, für die Anderen ist es eine Herausforderung. Manche geraten in die Burnout Falle Homeoffice. Warum ist das so und was können Führungskräfte tun?

Manchen Menschen fällt es schwer, im häuslichen Umfeld eine vernünftige Struktur bei zu behalten. Die fehlende Trennung von Arbeit und Freizeit führt dazu, dass die Arbeit oft erst spät in der Nacht endet. Sport oder anderer Ausgleich kommen zu kurz. Es gibt keinen geregelten Feierabend.

In allen Fällen ist die ungewohnte Situation auf Dauer mit Risiken verbunden. Der fehlende soziale Kontakt mit den Kollegen, der fehlende Austausch und die fehlende menschliche Nähe können durch Videokonferenzen nicht ersetzt werden.  Fehlt der Austausch in der Kaffee-Küche, das gemeinsame Mittagessen, kann eine soziale Isolation entstehen. Nicht jeder Mensch hat einen ausreichenden Ersatz im privaten Umfeld.

Die Kommunikation leidet insgesamt. Dauern Konferenzen länger, schweifen viele Mitarbeiter ab, arbeiten im Hintergrund an etwas anderem und bekommen nicht mehr alles mit. Sie sind für ihre Führungskräfte dadurch nicht so gut erreichbar. Stille und eher passive Mitarbeiter werden noch weniger wahrgenommen, als im persönlichen Meeting. Sie verschwinden geradezu hinter ihren Bildschirmen.

Ein weiteres Thema sind Konflikte. Sie schwelen oft im Hintergrund, werden auf dem virtuellen Weg viel später erkannt und viel zu selten direkt angesprochen und gelöst. Wenn sie in einer Konferenz aufkommen, sind sie meist viel heftiger als im direkten Kontakt und können selten konstruktiv gelöst werden. Sie werden so schnell zu kalten Konflikten, die die Zusammenarbeit erschweren. Dadurch entsteht Frust, Ärger und bei manchen das Gefühl von Ohnmacht und Sinnlosigkeit. Hier sind Führungskräfte besonders gefordert, damit das Wir-Gefühl, die Motivation und die Identifikation mit dem Team nicht verloren geht. Ungelöste Konflikte führen zu weniger Effizienz und schlechten Arbeits-Ergebnissen.

Hinzu kommt, dass viele Menschen durch die Corona Pandemie neue Ängste entwickeln. Reale Ängste, wie die Angst um den Arbeitsplatz, Angst um ältere Familienmitglieder oder Angst vor Überforderung, um nur ein paar davon zu nennen. Aber auch diffuse Ängste entstehen, da die Bedrohung durch das Virus so schwer zu greifen ist, alles so unkontrolliert und unsicher erscheint. Durch die permanente Medienpräsenz des Themas und die angsterfüllenden Informationen, sind manche Menschen nicht mehr in der Lage, die Bedrohung realistisch einzuschätzen. Diese diffuse Zukunftsangst kann unbehandelt zu Depressionen und psychosomatischen Erkrankungen führen. Experten sprechen hierbei von einem Burnout durch Corona. Kreativität und Leistungsfähigkeit sinken massiv ab. Oft wird das zu spät erkannt. Mitarbeiter stecken in der Burnout Falle Homeoffice.

Das gilt natürlich nicht für alle Mitarbeiter. Manche Menschen haben eine gesunde Widerstandskraft gegenüber Bedrohungen und Krisen. Sie gestalten ihr Leben selbst und fühlen sich auch in einer Krise nicht den Umständen ausgeliefert. Sie sind resilienter als ihre Kollegen. Resilienz ist eine geistige Kompetenz, die die Fähigkeit beinhaltet, ein als sinnvoll empfundenes Leben führen zu können.

Was können Führungskräfte tun?

Für Führungskräfte ist es wichtig zu erkennen, welche ihrer Mitarbeiter Burnout gefährdet sind. Regelmäßige Mitarbeitergespräche sind dabei von noch größerer Bedeutung als sonst. Achten Sie auf negative Formulierungen. Jammern, lästern oder kritisieren sind ein Warnzeichen für schwelende Ängste. Vor allem sind sie fast so ansteckend wie ein Virus und vergiften die Stimmung im Team.

Video-Konferenzen sollten, neben den geschäftlichen Inhalten, auch einen sozialen Austausch beinhalten. Ermuntern Sie Ihre Mitarbeiter dazu, dies auch in kleineren Gruppen, ohne Ihr Beisein zu tun. Dafür ist eine offene, auf Vertrauen basierende Atmosphäre erforderlich. Als erfrischende Ergänzung können virtuelle Team-Events mit einem externen Moderator neue Impulse in ein Team bringen. Erarbeiten Sie z.B. gemeinsam mit Ihrem Team neue Ziele und Maßnahmen für die Zusammenarbeit. Fördern Sie die Kreativität und das Zusammengehörigkeits-Gefühl.

Achten Sie auf ungelöste Konflikte. Sie behindern einen lebendigen Austausch. Sie erkennen Konfliktsituationen, wenn plötzlich Spannung in der Luft liegt, Seitenhiebe oder gegenseitige Anschuldigungen zunehmen, keiner sich etwas zu sagen traut, man mehr über- als miteinander redet und die Gesprächsatmosphäre sich den frostigen Außentemperaturen angleicht.

Hier müssen Sie als Führungskraft  eingreifen um einen Leistungsabfall im Team zu verhindern. Eine virtuelle Konflikt-Lösung ist sicherlich nicht immer leicht und bedarf einer guten Vorbereitung. Ziehen Sie bei Bedarf einen Mediator zu Rate um wieder eine effiziente und angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen.

Die weltweite Pandemie stellt uns alle vor neue Herausforderungen. Sie beinhaltet aber auch viele Chancen. Das neue Normal benötigt angepasste Verhaltensweisen, Agilität und die Bereitschaft, die Verschiedenartigkeit der Team-Mitglieder zu respektieren und zu schätzen. Erkunden und erforschen Sie die neuen Möglichkeiten, z.B. mit einer HBDI Team-Analyse.

Dabei wünsche ich Ihnen viel Erfolg, Ihre Karen Prillwitz

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