Dieses Jahr habe ich in der Weihnachtszeit ein kleines Ritual durchgeführt. 13 Wünsche für 2021, jeden einzeln auf einen Zettel geschrieben und den Zettel zusammengefaltet. Jeden Tag habe ich einen Zettel verbrannt, ohne zu wissen, was darauf stand. Diese Wünsche habe ich sozusagen dem Universum übergeben. Der letzte, 13. Zettel, ist für mich bestimmt. Diesen Wunsch erfülle ich mir selbst. Heute war es endlich soweit,  voller Spannung habe ich ihn geöffnet. Gefunden habe ich die Lebensfreude.

Das ist also jetzt meine Aufgabe für 2021. Für meine, bzw. für mehr Lebensfreude zu sorgen.

Lebensfreude, was bedeutet das eigentlich? Freude am Leben – ist es in diesen Zeiten überhaupt ok sich darüber Gedanken zu machen? Oder gerade jetzt erst recht?

Freude am Leben, das ist irgendwie anders als Glück. Glück ist ein Moment, umwerfend, wunderbar, aber eben ein Moment. Freude, ist das nicht eher etwas für den Alltag? Zumindest Lebensfreude, denn leben tue ich ja jeden Tag. Freude daran jeden Tag zu leben. Klingt irgendwie gut. Aber gilt das auch für traurige Tage? Oder Tage an denen ich mir Sorgen mache? Wie ist das, wenn ich putze oder irgend eine andere lästige Pflicht erledige? Das hat ja wohl wenig mit Freude zu tun, oder?

Und wie ist das in Corona Zeiten? Ein Nachbar meiner Eltern ist an Corona gestorben. Sein Sohn hat den Virus vermutlich aus seiner Behinderten Einrichtung mitgebracht. So viele Menschen liegen einsam in Krankenhäusern, kämpfen um ihr Leben, andere um ihre Existenz. Ist da Lebensfreude angebracht? Wobei, wenn ich die Kranken fragen könnte, die würden sich vermutlich über einen Menschen mit Lebensfreude freuen. Lebnsfreude würde sogar eher helfen, diese schwierige Zeit zu überstehen.

Also Freude, Lebensfreude. Ein Gefühl was es sein könnte habe ich ja schon. Ich empfinde immer wieder Freude. Aber Lebensfreude, müsste das nicht mehr sein? Überschäumende Freude, Luftsprünge, lautes Juchuu rufen? Wenn mir aber gerade nicht danach ist? Wobei, wenn ich darüber nachdenke, es gab schon sehr traurige Momente in meinem Leben, als ich Franka meine Hündin einschläfern lassen musste zum Beispiel. Das war sehr traurig, aber bei den Erinnerungen an Sie habe ich auch viel Freude empfunden, trotz der Trauer. Wenn ein Tier Lebensfreude ausdrücken konnte, dann war das Franka. So eine Intensität habe ich noch nie vorher bei einem Hund erlebt. Bei der Erinnerung habe ich unter Tränen gelacht. Wir hatten eine schöne Zeit zusammen. Hat Lebensfreude auch etwas mit der Intensität zu tun? Wie ich Gefühle zulasse?

Nun soll ich also selbst für meine Lebensfreude sorgen. Klar, wer sonst? Also ein bisschen mehr davon könnte ich schon vertragen. Sonst hätte ich es ja nicht aufgeschrieben. Was habe ich mir eigentlich dabei gedacht? Nicht viel, wenn ich ehrlich bin. Ich dachte Lebensfreude ist toll wenn ich sie habe. Und wenn sich das Universum darum kümmert, wäre doch klasse.

Super, das ist ja jetzt irgendwie dumm gelaufen. Nun muss ich mich selber darum kümmern. Obwohl, vielleicht macht es ja sogar Spaß sich darum zu kümmern? Freude am Leben, irgendwie klingt das auch nach vielen kleinen Dingen, nach Spaß. Freude am Spaziergang im Schnee, Freude, wenn mein Hund an mir vorbei tobt, Freude an den Spatzen in meinem Garten oder der kleinen Meise, die heute Morgen vor meiner Terrassentür auf und ab gehüpft ist. Gerade fällt mir Beethovens 9. Sinfonie ein. Die Ode an an die Freude. Das zu hören löst bei mir jede Menge Freude aus. Musik ist also auch etwas, dass zu meiner Lebensfreude beiträgt.

Mehr Lebensfreude könnte bedeuten, die kleinen Dinge mehr zu genießen. Das Schöne darin zu sehen. Mir jeden Tag dafür Zeit zu nehmen. Dann wäre es mehr eine Einstellung. Aber kann ich mit einer Einstellung ein Gefühl herstellen? Also andersherum funktioniert es.  Mir Sorgen zu machen über die Zukunft ist auf jeden Fall schädlich für die Freude. Dadurch entwickeln sich unweigerlich Ängste. Wie lange reicht mein Geld? Was ist, wenn ich mich infiziere und nicht mehr arbeiten kann? Eigentlich ist das alles Quatsch, ich kann die Zukunft weder ändern noch kontrollieren. Wer weiß, wie lange dieser blöde Lockdown noch geht.

Also wenn es im Negativen klappt, müsste es doch auch im Positiven klappen. Also gut, eine neue Einstellung. Aber wie geht das? Den Knopf dafür habe ich noch nicht gefunden. Ich glaube, dafür schaffe ich mir ein neues Ritual. Ich brauche etwas für jeden Tag, etwas, dass mich daran erinnert. Etwas für morgens, damit ich den Tag gleich anders beginnen kann. Und etwas für abends, damit ich die Momente der Freude nochmal sammeln kann, wie ein kleines inneres Schatzkästlein. Ich glaube das ist erst einmal ein guter Anfang. Ich habe ja das ganze Jahr Zeit dafür. Der Gedanke daran macht mir auf jeden Fall Freude.

Wie sorgen Sie für Freude in Ihrem Leben? Ich freue mich von Ihnen zu lernen. Schreiben Sie doch einen Kommentar.

Ihnen ein freudiges 2021 wünscht Ihre Karen Prillwitz

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