Mitarbeiter motivieren, dass ist seit Jahren für Führungskräfte ein wichtiges Thema. Die Anforderungen nehmen dabei stetig zu. Homeoffice, Fachkräftemangel, Digitalisierung, viele Herausforderungen sind zur Zeit zu bewältigen. Ich möchte den heutigen Blog Beitrag einem aus meiner Sicht vernachlässigten Aspekt der Mitarbeiter Motivation widmen, dem Thema Sicherheit.

In vielen Branchen liegt der Fokus auf der Anerkennung von Leistung und Erfolg. Das gilt ganz besonders in Vertriebs-Organisationen, aber auch in vielen anderen Bereichen. Vielen gilt der Wettbewerb als wichtigster Motivator, um Höchstleistungen zu erreichen. Häufig wird Leistungssport zum Vergleich herangezogen.

„Die Bedeutung von Sicherheit als Basis für gute Leistungen wird oft unterschätzt.“

Mitarbeiter motivieren, was bedeutet das? In einer Vertriebs-Organisation werden Mitarbeiter belohnt, die ihre Ziele erreicht oder übererfüllt haben. Sie erhalten Preise, besondere Reisen und werden vor dem restlichen Team besonders herausgestellt. Ihr Vorgehen gilt als vorbildlich und soll vom Rest der Mannschaft kopiert werden. Auch ihr Einsatz und Engagement wird besonders herausgestellt. Für ihre Motivation wird viel getan, schließlich sind sie die Leistungsträger.

Doch motiviert Erfolg nicht von allein? Einen erfolgreichen Menschen zu motivieren fällt leicht. In Vertriebs-Teams erreichen normalerweise maximal 15-20% der Mitarbeiter ihr Ziel. Sind die restlichen Mitarbeiter, immerhin oft 80 % des Teams, weniger motiviert oder arbeiten sie weniger hart und engagiert? In meiner langjährigen Praxis kann ich das nicht bestätigen. Auch bei weniger erfolgreichen Mitarbeitern gibt es viele gute Ideen und viel Engagement. Manchmal ist es einfach Glück zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Wie werden sie von ihren Führungskräften motiviert?

Wer scheinbar weniger leistet wird meist über Druck und fehlende variable Zielerreichung „motiviert“. Sein Platz im Team wird, je länger der Erfolg ausbleibt, immer unsicherer. Er oder sie erhält weniger Aufmerksamkeit, weniger Respekt, Kritik, Kunden mit weniger Potential und weniger Unterstützung. Keine guten Voraussetzungen um an der Situation etwas zu ändern.

An dieser Stelle sei ein kleiner Ausflug zum Profi-Fußball erlaubt. Immer wieder sehen wir bei sensiblen Spielern, wie z.B. Boateng oder Müller, was mit ihnen passiert, wenn man ihnen Vertrauen und Unterstützung entzieht. Sie werden schlechtere Fußball Spieler und die Mannschaft insgesamt zeigt schlechtere Ergebnisse. Zeigt man ihnen gegenüber jedoch Respekt, gibt ihnen Vertrauen und Sicherheit, blühen sie wieder auf und stärken ihre Mannschaft, werden gegebenenfalls sogar wieder zu Leistungsträgern, die den Unterschied ausmachen.

Ich glaube, insbesondere wenn der Erfolg ausbleibt, benötigen Mitarbeiter Motivation und Rückendeckung. Ganz besonders in schwierigen Zeiten ist die Unterstützung durch die Führungskraft elementar, damit Mitarbeiter Energie und Freude an der Arbeit behalten. Was in der Kindererziehung als selbstverständlich gilt, die weniger starken Kinder besonders zu fördern, ist in der Arbeitswelt oft völlig verdreht.

Stellen wir uns die Motivation und Energie eines Mitarbeiters wie einen Topf vor, in den positive Dinge wie z.B. Erfolg, Motivation, ehrliche und angemessene Anerkennung  der Leistung oder Unterstützung einfließen und auf der anderen Seite negative Dinge, wie Enttäuschung, Misserfolge und hoher Arbeitseinsatz abfließen. Halten sich beide Dinge die Waage, bleibt der Topf voll, der Mitarbeiter motiviert.

Erfolg füllt den Topf und setzt Energie frei. Misserfolg leert den Topf und schwächt die Leistung mit der Zeit ab. Kommt jetzt noch Druck und Kritik dazu, leert sich der Topf weiter. Mitarbeiter beginnen sich zu wehren und suchen Rechtfertigungen für ihr Scheitern. Energie und Motivation wird also auch noch in die falsche Richtung gelenkt. Die erfolgreichen Kollegen ständig vor die Nase gehalten zu bekommen, erzeugt eher ein Gefühl von Neid oder sogar Ärger. Missstimmung und Konflikte kommen auf und schwächen mit der Zeit das ganze Team.

Ich glaube, gerade Mitarbeiter mit schwierigen Aufgaben, die einen langen Atem oder viel Geduld benötigen, brauchen eine besondere Unterstützung durch ihre Führungskraft. Sie leisten eine wertvolle Basisarbeit, die anerkannt, honoriert und gefördert werden sollte.

Denn gerade wenn der Erfolg ausbleibt ist Sicherheit von zentraler Bedeutung. 

Wer Rückendeckung erfährt, auch wenn es mal nicht so gut läuft, respektvoll behandelt wird und sich sicher fühlt, wird langfristig mehr leisten und auch wieder erfolgreich sein. Es ist die Aufgabe von Führungskräften jeden individuell zu fördern, dort wo er oder sie gerade steht. Klingt selbstverständlich? Ist es leider häufig nicht. Dabei ist in langfristig erfolgreichen Teams meiner Erfahrung nach genau diese Führungskultur ein Erfolgsgeheimnis. Jeder kennt und lebt seine Verantwortung, jeder kennt seinen Teil am Erfolg, ob groß oder klein, jeder gehört dazu, erhält den gleichen Respekt und die gleiche Aufmerksamkeit. Eine lebendige Fehler- und Feedback-Kultur führt dazu, dass sich jeder sicher fühlt. Jeder wird mit seinen Stärken und Schwächen anerkannt und ist genau so richtig, wie er oder sie gerade ist.

Eine solche Basis zu schaffen, ist aus meiner Sicht die wichtigste Herausforderung für Führungskräfte.

In unsicheren Zeiten, wie sie z.B. die Pandemie mit sich bringt, aber auch Umstrukturierungen, Veränderungen durch die Digitalisierung, den Verlust von sozialen Kontakten und kollegialem Austausch im Homeoffice, erhält die Sicherheit für Mitarbeiter eine ganz besondere Bedeutung.

Ich würde mich freuen, wenn Sie in den Kommentaren Ihre Erfahrungen mit mir und den anderen Lesern teilen. Ihnen viel Erfolg,

Ihre Karen Prillwitz

Mehr Informationen zu meinem Angebot für Führungskräfte finden Sie hier, für Team-Entwicklung und Team-Analyse hier.

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